Ulrich Mächtle
Der Künstler Ulrich Mächtle drückt
sich in
zwei
unterschiedlichen Richtungen und über zwei unterschiedliche Mittel
aus. Raw writings sind die
provokative und kritische Antwort des Künstlers auf die
Informationsüberflutung, die uns unsere Konsumgesellschaft
aufdrängt. Die Lichtbilder
dagegen sind vollkommen unkritische Arbeiten, sie sind Bilder, die sich
mit direktem Licht vor dem Auge des Betrachters aufbauen. Sie ragen in
den Raum hinein und halten den Betrachter unweigerlich fest.
„Tag für Tag werden wir von unzähligen Medien mit ihren
Meldungen regelrecht beschossen. Knapp, zielgerichtet und
einprägsam versorgen uns die diversen Boulevardblätter und
Werbeplakate des Landes mit Klischees, deren Halbwertszeiten immer
kürzer werden. Die eigentliche Meldung oder das Produkt ist
völlig unwichtig und verschwindet dahinter ebenso wie die von
ihnen längst verbrauchte Wahrheit oder Notwendigkeit.
Makaber, zynisch und grotesk, wie die Botschaften des von uns allen
verachteten Spätkapitalismus, schlagen die Raw writings ein wie die Projektile
eines kulturellen Widerstandes. Den Feind mit den eigenen,
überdimensionierten Waffen schlagen, Verwirrung stiften, hinter
den vermeintlich lieblichen Worten verbirgt sich ein grausamer Plan.“
Trust me I'm a Liar,
jeder ist eingeladen, einfach zu glauben, was er sieht oder liest, um
es in aller Überflüssigkeit auch gleich wieder vergessen zu
dürfen. Und dann Compromise or
Corruption, Fasten Seat Belt on Your Electric Chair oder Murder is a Human Right... Man
muss erst einmal erschrecken, um die Botschaft zu hören und zu
erwachen, um sie zu begreifen.
Im Lichtbild Eyes
of
Berlin
überblendet dieser ununterbrochene Weg zum Auge zumeist den
Zugriff über den ersten Blick. Er wird gebremst von einem Puffer
aus Licht, muss diesen überwinden, in dem das Auge sich dran
gewöhnt, um zur tatsächlichen Ebene des Bildes vordringen zu
können. Nun erst erschließen sich nacheinander die
verschiedenen Elemente, welche die eigentliche Oberfläche unter
dem Lichtpolster bildet. Es sind 265 einzelne Flächen, einige mit
darauf gemalten „Augen“ die, jedenfalls zu einem großen Teil, auf
einen Punkt im unteren, rechten Drittel zu sehen scheinen. Diese
Fläche mit ihrem mittigen Punkt fixiert ihrerseits scheinbar den
Betrachter. Die einzelnen Flächen auf dem Bild wiederum bilden
Gruppen, die gemeinsam einem Thema folgen. Diese Gruppen wiederum
interagieren miteinander, bilden, obwohl die Themen verschieden sind,
ein großes gemeinsames Thema, das hier in einer Reduktion
dargestellt ist; die Stadt selbst. Plötzlich werden aus den
Räumen zwischen den einzelnen Platten oder Flächen
stilisierte Straßenzüge, die bemalten Flächen zu
Häuserblöcken und die Gruppen zu Stadtteilen, deren Themen
wiederum ihre Charakteristika sind.
Einzelne Ausreißer trennen sich aus den Gruppen, verfolgen ein
eigenes, nur ihnen selbst bekanntes Ziel. Doch zusammen ergeben sie
über alle Unterschiedlichkeiten hinweg ein Ganzes, wie in einer
Stadt, die verschiedene Viertel kennt, sich aber nicht über
Details definiert, sondern über ihre Gesamtheit. Darin verborgen
überspringt das Individuum seine Klasse und nimmt an der
Gemeinschaft teil. In diesem Zusammenhang wird das stilisierte Bild der
Stadt zu einer Abbildung aus der Vogelperspektive, das Lichtpolster
über der Gesamtfläche verwandelt sich zum scheinbaren Dunst
über der Stadt, der zunächst aus der Entfernung nur die
Straßenzüge erkennen lässt. Erst die Annäherung
lässt den Betrachter zur Landung ansetzen und im Bild Platz
nehmen. Er ist angekommen.
Pebble Beach entstand
als Skizze an einem Badestrand am Großen Wannsee in Berlin.
Kleine und große Steine sind vom Wasser bewegt, der Blick kommt
von oben, es ist die natürliche Perspektive des Betrachters... wir
sind mit den Füßen im See.
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Cheesesandwich
2005
Lichtbild, unbeleuchtet
(Dispersion auf Pressspanplatte, 93 x 80 cm)
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